Die Zigeunerin - im Volksmund meist fälschlicherweise in der männlichen Form Zigeuner genannt - erinnert an das braunhäutige und schwarzhaarige Wandervolk, das in früheren Jahrhunderten auch im Lande Schwyz anzutreffen war. Die Mystifizierung dieser Volksgruppe in Verbindung mit Legenden und fernen Welten führte zu exotischen Nachahmungen in der Fasnachtszeit. Unverkennbar weckt die Figur aber auch Verbindungen zu den einheimischen Fahrenden, der Welt der Fecker.

Das farbenfrohe Kostüm der Zigeunerin lässt ein spanisches Vorbild vermuten, die dunkelbraun getönte Larve mit der auffallenden Kriegsbemalung sogar spanisch-mexikanische Ursprünge (Indianer). Dagegen tragen die ungarischen oder slawischen Zigeuner aus dem Balkan vorwiegend dunkle Kleider. Die Schwyzer Zigeunerin trägt einen buntfarbenen, gegenseitig abgestimmten Rock und Oberteil, wobei die Farben Schwarz, Grün, Braun und Rot vorherrschen. Ein grosses, einfarbiges und gleichschenkliges Dreieckstuch wird auf der Brustseite mit einer Sicherheitsnadel zusammengehalten, während die Spitze mit den beiden Schenkeln über den Rücken fällt. Das lange Kopf- und Nackentuch gleicht einem Schleier, der auf der Stirnseite verstärkt ist und ein mit Monden und Sternen verziertes Diadem trägt; es ist der traditionelle «Goldschmuck» der Zigeuner.

Die im Grundton rotbraune Larve weist strenge, aber dennoch zufriedene und ruhige Züge auf. Ausdrucksstark sind vor allem die Bogennase, die gelb-schwarzen Linien auf Wangen und Stirne, die weiss-rot-schwarz gestalteten Augen, die eckigen Backen und breiten Nasenflügel sowie die roten Lippen. Die Zigeunerin verhält sich in der Rott sehr lebendig, oft etwas rauh. Ihr wildes Herumspringen unterstützt sie unüberhörbar mit dem (Holz-)Tambourin in der Hand, dessen Metallplättchen einen hellen, gläsernen Ton erzeugen.